Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die von tiefgreifenden ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt ist. Gleichzeitig fehlen vielen Kindern Erfahrungen in der Natur und Möglichkeiten, demokratische Teilhabe zu erleben. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Kinder haben nur begrenzte Kenntnisse über demokratische Prozesse, ihre Rechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Politische Bildung findet im Grundschulbereich nicht oder nur wenig statt. Zusätzlich werden Themen wie Nachhaltigkeit und Demokratie oft getrennt voneinander behandelt, obwohl sie eng miteinander verbunden sind. So ist auch die BNE der Ökologiestation bisher v.a. auf individuelle Verhaltensänderungen bei den Teilnehmenden ausgerichtet gewesen. Politische und strukturelle Verhältnisse wurden dabei nicht reflektiert. Im Leitbild ist eine Abgrenzung gegenüber Extremismus formuliert, aber eine aktive Bildungsarbeit in diesem Bereich ist bisher weder konzeptionell erarbeitet noch umgesetzt worden. Dabei sollte schon in der Arbeit mit Grundschulkindern die Demokratie gestärkt werden, in dem die Kinder zum gemeinschaftlichen, demokratischen und kritischen Handeln im eigenen Lebensumfeld befähigt werden.

In der BNE ist eine Verknüpfung zur Demokratiebildung angelegt, die in der Praxis bisher wenig umgesetzt wird. Bei der BNE Zertifizierung des Landes zeigte sich, dass viele Einrichtungen z.B. mit dem didaktischen BNE-Prinzip der Partizipation sowohl inhaltlich als auch methodisch Schwierigkeiten hatten (typische Sätze: „Wir können doch nicht die Kinder alles bestimmen lassen, wir müssen doch Programminhalte umsetzen“). Zusätzlich ist in vielen Klassen Gewalt ein Mittel um Ziele durchzusetzen. In Gesprächen mit Lehrkräften wünschten sich diese einen höheren Stellenwert der Demokratiebildung und wären dankbar für Kooperationen und Hilfestellungen.

Prof. Dr. Steve Kenner fordert ein Umdenken: Kinder sollen nicht länger als „zukünftige Bürger:innen“ betrachtet werden, sondern als gegenwärtige, handlungsfähige Mitglieder der Gesellschaft, die ein Recht auf Beteiligung und Einflussnahme haben. Demokratie beginnt nicht erst mit dem Wahlrecht – sie beginnt im Alltag, im Miteinander, im aktiven Erleben von Teilhabe.

Das Projekt „Natur erleben, Demokratie stärken!“ verknüpft Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und Demokratiebildung auf innovative Weise im Rahmen eines dreitägigen Schullandheimaufenthalts für Grundschülerinnen der Klassen 3 und 4 sowie in einem Freizeitangebot für junge Menschen mit körperlichem und geistigem Förderbedarf.

Auf dem Langenhard, an der Ökologiestation Lahr erleben die Teilnehmenden ökologische Zusammenhänge in einem naturnahen Lernumfeld und was es bedeutet, als Gruppe demokratisch zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Die Teilnehmenden erfahren in diesem Projekt nicht nur die Natur, sondern auch Mitbestimmung: Sie treffen Entscheidungen im Redekreis, übernehmen Aufgaben im Gruppenalltag und entwickeln gemeinsam Regeln für das Miteinander in der Gruppe und den Umgang mit der Natur. Das Projekt stärkt die Gestaltungskompetenz, fördert die Selbstwirksamkeit und macht Demokratie als gelebte Praxis erfahrbar. Zugleich vermittelt das Vorhaben zentrale Inhalte der BNE bezogen auf verschiedene SDGs, z.B. Leben an Land.

Im Sinne eines modernen Bildungsverständnisses begreift das Projekt Kinder und Menschen mit Förderbedarf – angelehnt an die Position von Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Steve Kenner – nicht als „zukünftige“ Bürger:innen, sondern als gegenwärtige Akteur:innen, die jetzt bereits wirksam handeln können. Mit seinem ganzheitlichen Ansatz schafft das Projekt einen beispielhaften Erlebnisraum für zukunftsorientierte Bildung, der kognitive, emotionale und soziale Lernprozesse gleichermaßen fördert – und eine Basis legt für ein demokratisches, verantwortungsvolles und nachhaltiges Leben.

Weitere Infos zum Projekt erfragen Sie gerne unter info@oekologiestation-lahr.de (Antje Kirsch).

Zu derselben Thematik findet am 20. Mai 2026 in Freiburg ein Workshop statt (weitere Infos hier).

 

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Die Baden-Württemberg-Stiftung und die Heidehof-Stiftung fördern im Rahmen des Programms „Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft“ das Projekt „Natur erleben, Demokratie stärken“ (Januar 2026 – Dezember 2028).